Wolfgang Stuflesser

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Pottermore - Ms. Rowling hext Apple und Amazon weg

JK Rowling, die Autorin der Harry-Potter-Bücher, hat eine neue Website angekündigt: pottermore.com. Neben vielem anderen (z. B., wie hier eine Autorin ihr Werk aus der Hand gibt und in die Hände der Fans legt) ist bemerkenswert, dass die HP-Romane auf Pottermore zum ersten Mal als E-Books zu erwerben sein werden. Klar, illegale Scans gibt es schon lange, aber hier wird’s zum ersten Mal legal möglich sein, HP elektronisch zu lesen.

Und was macht diese Multi-Millionärin? Sie schlägt den Apples und Amazons dieser Welt ein Schnippchen und bringt ihre Romane weder für Apples iPad/iPhone noch für Amazons Kindle raus (mit einem Exklusiv-Vertrag für eine der Plattformen hätte sie vermutlich weitere Millionen machen können), sondern die Bücher sollen ohne Kopierschutz auf möglichst allen Plattformen konsumierbar sein.

Beim Aufkommen des Internets war viel von “Disintermediation” die Rede, vom Verschwinden der Mittelsmänner wie Maklern (Immoscout24), Händlern (eBay, Autoscout24) oder auch Journalisten (Twitter!) - wer mehr dazu wissen will, kann Jeff Jarvis googlen. Was Rowling macht, ist schlicht das Ausknipsen der Verlage und Online-Buchhändler als Mittler im Literaturbusiness. Wer so erfolgreich ist wie Rowling, schafft sich seinen eigenen Vertriebskanal (eben pottermore.com) und bringt seine Ware dort direkt an den Mann und die Frau. Damit gibt sie dem Thema E-Book einen ordentlichen Schwung, und gleichzeitig muss es Apple wie Amazon ganz schön leid tun, dass ihnen dieser dicke Fisch durchs Netz geschlüpft ist.

Natürlich braucht es weiter Verlage. Ich will mich nicht durch Millionen von selbstverlegten Gedicht- und Besinnungsaufsatz-Sammlungen wühlen müssen. Ich zahle gerne ein paar Euro für die Dienstleistung, die die Verlage erbringen: Junge Talente finden, ein gutes Lektorat als Betreuung und natürlich die Produktion schöner, bibliophiler Bücher - sei es auf Papier oder elektronisch. Aber es ist gut, wenn auch Verlage merken, dass sie nicht allmächtig sind.

Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht. Wäre ja schon hübsch, wenn ein kleiner junger mit einer Narbe auf der Stirn auch beim Thema E-Books mächtiger ist als viele Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen.